Sonic Boom (Serie)

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Sonic Boom: „In the Midnight Hour“ Episoden-Review

Serien-Sonntag! Sticks entdeckt nachts eine mysteriöse Gestalt, die Leute hypnotisiert – doch keiner glaubt ihr.

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Inhalt

Beim nächtlichen künstlerischen Austoben auf einer Leinwand entdeckt Sticks eine verdächtige Geisterkreatur. Panisch eilt sie zu Sonic, weckt ihn unsanft aus dem Schlaf und schleppt ihn zum Tatort. Dort angekommen ist von der angeblichen Gespenstergestalt aber nichts zu sehen. Trotz allen Beteuerns ist Sonic überzeugt, dass es sich nur um ein weiteres Hirngespinst des Dachses handelt, und auch, als sie am nächsten Tag dem Rest der Truppe ihre Entdeckung beschreibt, Kurzerhand beschließt sie, der Sache selber auf den Grund zu gehen, und siehe da: Der Geist schleicht sich ins Fernsehstudio und beginnt, die Bewohner des Dorfes über den TV zu hypnotisieren. Sticks schreitet ein und vertreibt den Unheilbringer. Schnell schnappt sie sich das Mikro und verkündet lauthals, was wirklich geschehen ist, doch als sie aus dem Studio tritt, hat sich eine kleine Meute gesammelt, die eher wegen ihrer Randale im Studio aufgebracht als von ihrer Aufklärungsarbeit begeistert zu sein. Der Missmut gipfelt sich, als Comedy Chimp als Besitzer des Studios mit der Polizei vor der Tür steht und sie wegen dem angeblichen Vandalismus festnehmen will. Sie flieht hinaus, direkt in die Arme ihrer Freunde – die ihr sogleich Handschellen anlegen, mit der Begründung, dass ihr eine Nacht in Einzelhaft sicher guttäte. In ihrer Zelle beginnt Sticks dann wirklich an ihrer geistigen Gesundheit zweifelt, taucht Eggman in der Dorfmitte auf und enthüllt, dass der Dreamcaster seine Kreation ist und das Hypnotisieren über den Fernseher nur Phase Eins seines Plans darstellt: Mit Hilfe seiner Marionetten will er einen Satelliten aufbauen, der die Gedankenkontrollstrahlen nicht nur übers Dorf, sondern in alle Welt verbreiten kann. Das Dachsmädchen muss natürlich einschreiten! Sie ködert Knuckles zu ihr und sorgt dafür, dass er die Gefängnismauer zertrümmert. Doch ihre Rettungsaktion wird abgeschnitten, als Eggman den Dreamcaster wieder aktiviert und Sticks durch die Fernseher im Schaufenster in ihrer Nähe auch in Gefahr läuft, hypnotisiert zu werden. Schnell flieht sie zurück in ihren Bau und nutzt die Chance, um einen Stapel Abwehrmittel zu basteln: Aluhüte! Flink setzt sie ihren Freunden die Kappen auf, die sich sofort daranmachen, die frisch gerufene Roboterarmee zu zerschrotten. Sticks kümmert sich dagegen um größeres: Mit Farbspritzern in die Augen und ein paar saftigen Tritten zertrümmert sie den Roboter, wodurch auch der Rest der Dorfbewohner aus ihrem unsanften Schlaf geweckt werden, Eggmans Plan offiziell scheitert und er seinen Rückzug antreten muss.


Rezension

SticksSchuhDer Humor hat in dieser Episode einige nette Stellen zu bieten. Mit Sticks am Schalthebel gibt es natürlich wieder einen kleinen Stapel Paranoiagags. Einige davon, wie der random auftauchende Schuh an ihrer Hand, laden zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln ein, andere davon sind allerdings etwas lahm und abgedroschen. Auch die vierte Wand bleibt wieder mal nicht unverschont: Völlig verwundert fragt Eggmann Sticks, was sie denn samstagmorgens machen würde, wenn sie keinen Fernseher hat (der Sendeplatz, an dem Boom ausgestrahlt wird), und kurz danach verteufelt der Dachs die Dorfbewohner fürs Fernsehen – nur, um sich dann zum Bildschirm zu drehen und dem Boom-Publikum zu sagen, dass sie ruhig weiterschauen sollen. Nett ist auch die Verwendung des Namen „Dreamcaster“ für den Widersacher der Episode, der coolen Namen mit einer offensichtlichen Referenz auf Segas letzte Konsole vereint – auch wenn die geradezu verwunderlich harsche Haltung der Charaktere gegenüber dem Namen seltsam auffällt. Ein paar der besten Gags halt allerdings Eggman auf Lager, der dieses Mal wieder ein wenig mehr im Mittelpunkt stehen und dadurch seinen spaßigen Charakter zeigen darf: Die ewiglange Aktivierungsmaßnahmen seines Satelliten (super ergänzt durch Sticks‘ Konter) und die zahlreichen Versuche, sich und seinen Plan in den Himmel zu loben, sind einfach unterhaltsam. Besonders hervorzuheben sind allerdings zwei Gags: Zum einen die Platte von Sticks, die klischeehafte Mundharmonikamusik im Gefängsnis abspielt, zum anderen der Appell des Dachses, die „Sheeple“ (abwertender Begriff für stumm folgende Menschen) sollen endlich aufwachen – worauf sich ein Schafbewohner des Dorfes prompt angegriffen fühlt. Der Rest der Episode fällt eher gag-arm aus, streckenweise gibt es wirklich nicht viele nennenswerten Witze, sondern plätschert nur so vor sich hin.

DreamcasterDieses Hinziehen zeigt sich auch im Plot der Episode selbst. Für beinahe eineinhalb Minuten der elfminütigen Laufzeit erklärt Eggman mit offensichtlicher Exposition, wie sein Plan bisher funktioniert hat, wieso er nicht auf Sticks gewirkt hat, und wie sein Plan weitergehen wird. Diese werden natürlich mit den oben genannten Gags ausgeschmückt, weshalb es nicht so hart ins Gewicht fällt, aber die trotzdem recht dröge Art, die Erklärungen eben von Grund aus mit sich bringen, verschwinden nie ganz. Ansonsten ist die Story und Charakterisierung der Episode recht nett; der erneut schön selbstüberzeugte Eggman, der sich, wie bereits erwähnt, etwas mehr präsentieren darf als sonst, sticht hier etwas hervor, und Sticks im Rampenlicht als Retterin in der Not ist auch recht cool. Apropos cool: Sowohl vom Design als auch von der Stimme (aus dem Mund des Sonicsprechers Roger Craig Smith stammt) ist dieser wirklich exzellent. Schade ist allerdings, wie schnell und relativ unspektakulär dieser ausgeschaltet wird: Jenseits dem Alufolienhut-Gag, der immerhin zum Schmunzeln bringen kann, besteht das Finale wieder nur aus simplen Robo-Geprügle. Schade.

StillNotConvincedDie Episode versucht zudem, etwas auf die Tränendrüse zu drücken, was aber eher mäßig funktioniert. Zum einen kann man es den Freunden nach einer ganzen Staffel, in der Sticks fast ausschließlich als falsch herausstellende, unglaubwürdige Dinge herumposaunt hat, wirklich nicht übel nehmen, dass sie ihr eine Geschichte über Fernsehzuschauer-hypnotisierende Gespenster nicht ernst nehmen. Selbst die Episode tut das nicht, und beendet ihre Geschichte und den Konflikt damit, dass die Freunde sie eben immernoch für völlig verrückt halten – wahrscheinlich, um den Status Quo zu bewahren und auf einem Gag zu enden. Das kann man als witzigen Umsturz der üblichen „Lektion gelernt“ Auflösungen sehen, trübt aber auch eben die Konfliktauflösung der Episode. Vor allem fühlt sich der Konflikt aber einfach etwas gehetzt an: Wie aus dem Nichts rennt die sonst so toughe Dächsin weinend weg, etwas später zweifelt sie im Gefängnis ein wenig an sich selbst und dann wird die Seite des Plots für den Rest der Laufzeit auf die Seite geschoben, bis er dann am Ende, wie bereits erwähnt, etwas halbgar aufgelöst wird. Das heißt natürlich nicht, dass dieser Aspekt der Folge komplett im Sande verläuft: Die Stelle, in der Sticks im Gefängnis sitzt und an ihrer geistigen Gesundheit zweifelt, hat wirklich eine gewisse Tragik, und so gehetzt die Szene mit der traurig fliehenden Sticks auch ist, etwas Mitleid hat man schon. Es ist nur schade, dass es sich anfühlt, als würden diese Aspekte der Folge hinter ihrem Potential herhinken – besonders ärgerlich im Anbetracht dessen, dass sich einige andere Stellen, die nicht eine solche Aufmerksamkeit benötigt hätten (wie eben die ellenlange Planäußerung von Eggman), zu sehr in die Länge ziehen und den Raum für den Konflikt hätten schaffen können, der benötigt worden wäre.


Fazit
SadSticks„In the Midnight Hour“ ist eine Folge, die recht in Ordnung ist. Ein paar nette Gags, Charaktermomente und ein cooler Bösewicht, aber auch lahmatmige Stellen und zurückgelassenes Potential. Kein absoluter Albtraum, aber aus dem Schlaf muss man dafür definitiv nicht geweckt werden.


Nächste Folge:
Tails kopiert sich dieses Mal selber, um mit vielen Versionen seiner selbst auch die Denkleistung zu erhöhen – doch das geht nach hinten los…

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Thigolf

Geschrieben von: Thigolf

Verliebte sich 2004 in die Reihe, als er im Elektrohandel die Flugfertigkeiten des zweigeschweiften Fuchses in Advance 3 ausprobieren durfte, bis er dann mit Rush Adventure komplett zum Fan wurde. Seit Anfang 2014 ist er als Redakteur bei Spindash dabei und kümmert sich nun primär um die Reviews der Boom-Serie, wo es ihm die Dachsdame Sticks und der leicht anders charakterisierte Tails besonders angetan hat.

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