Sonic Boom (Serie)

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Sonic Boom: „Ab in die Wildniss“ Episoden-Review

OT: „Into the Wilderness“ – Serien-Sonntag: Dieses Mal geht es um einen Wettstreit in der Wildnis…Welches Team wird siegreich sein, und ist der Weg zum Sieg unterhaltsam?

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Inhalt

Amy ist auf dem Weg, um Beeren zu sammeln und muss dabei einige gefährliche Orte durchqueren. Sticks will ihr deshalb Überlebenstipps geben – was Sonic äußerst amüsant findet, da er sich für diese Aufgabe viel besser geeignet hält. Die beiden Parteien wollen das mit einem Wettstreit besiegeln: Amy und Sticks treten gegen Sonic und Knuckles an, Tails spielt den Schiedsrichter. Sticks legt sofort los und trainiert ihren Schützling während Sonic und Knuckles sich sicher genug fühlen, um nichts zu tun. Schließlich ist der Tag des Wettstreits gekommen. Während Amy und Sticks problemlos überleben können, straucheln die beiden Jungs ganz schön. Die Mädels bieten an, den Wettstreit ihnen zuliebe abzubrechen, doch die Jungs sind stur und beschließen, durch Schummelei zu gewinnen, indem sie den Mädchen folgen und kurz vor der Ziellinie an ihnen vorbeisprinten. Der Plan geht schnell schief, denn die Helden verschlafen und verlieren die Spur der Damen – oder doch nicht? Auf dem ganzen Weg liegen Gegenstände der beiden, die sie anscheinend ‚verloren‘ haben. Die sind allerdings absichtlich von den beiden zurückgelassen worden, damit Igel und Echidna nach Hause finden. Beim Spurenlegen fallen die beiden allerdings selbst in einen geheimen Raketenbunker von Eggman, aus dem sie nicht entkommen können – was Sonic und Knux eiskalt ausnutzen, um die Mädchen zu überholen. Mit ihren Überlebenskünsten kann Sticks allerdings die Rakete zum Laufen bringen und die beiden vor den Jungs ins Ziel katapultieren.


Rezension

RaketeDie Episode ist eine der oft extrem Klischeeüberzogenen „Jungs gegen Mädels“ Episoden, in denen sich die beiden Geschlechter bekriegen. Auch, wenn es nicht explizit als Geschlechterkampf genannt wird und der Charakterkonflikt jenseits einem „Jungs sind besser als Mädels“ Streits liegt, was die Episode immerhin nicht komplett klischeeüberladen wirken lässt, läuft diese Folge wie jede andere dieser Sorte auch fast Punkt für Punkt mit dem üblichen Schema auf: Die doofen, voreingenommenen Jungs prahlen über ihre Fähigkeiten und machen einen Wettstreit gegen die klugen Mädels, merken zwischendrin, dass die Mädchen ‚unverschämterweise‘ führen, entscheiden sich deshalb zum Schummeln und werden trotzdem letztendlich von den Mädchen geschlagen. Ugh. Boom verkleidet den Konflikt wie gesagt ein wenig besser als andere Serien, es fühlt sich im Kern trotzdem unheimlich gezwungen an und lässt trotz der ziemlich guten Umsetzung einer grausigen Storyline ein madiges Gefühl zurück. Was ebenso ein madiges Gefühl zurücklässt, ist das Ende der Geschichte: Dass Sticks und Amy schamlos eine Rakete ins Ziel reiten und sich dann als Sieger erklären (so cool die Entkommensaktion ansich auch war), fühlt sich (auch dank der dreisten „Die Natur hat uns die Rakete gegeben“ Erklärung von Amy) einfach billig und falsch an und lässt einen unschönen Beigeschmack entstehen, was das Gesamtbild erneut ansäuert, wenn auch nicht ganz so stark wie die bereits erwähnte gezwungene Stichpunkt-Klischeegeschichte.

DickSonicApropos gezwungen: Sonic leidet unheimlich unter der Tatsache, dass der Grundplot in allen Einzelheiten und mit allen Stereotypen abgefrühstückt wird: Der sonst so faire und nette, wenn auch etwas selbstüberzeugte Geselle, verliert plötzlich all seine Fairness und Teile seiner Intelligenz und bekommt seine Arroganz voll aufgedreht, nur, damit er in das typische „männlicher Vollpfosten“ Muster passt. Gerade in der letzten Episode wurde Sonic so exzellent charakterisiert, hilft alles und jedem in seinem Pfad, der Hilfe benötigt, dieses Mal plant er zu schummeln, steht dreckig lachend an dem Loch, in das Sticks und Amy gefallen sind und will die beiden erst nach dem Wettbewerb aus dem Loch ziehen – ohne jeden Sportgeist. Das Ganze wirkt einfach grausam untypisch für den blauen Raser, regelrecht wie ein Fremdkörper, und ist enorm unschön anzusehen.

SticksFeuerIronischerweise blüht das Sorgenkind Sticks, das oft als schwarzes Schaf in Sachen Charakterisation gilt, in dieser Folge richtig auf. Da das Thema ‚Wildnis“ ist, kann sie hier endlich ihr Können beweisen: Sie ist ein Meister ihres Gebiets mit Allerlei Fachwissen und Kompetenz, die sie im Laufe der Folge immer wieder zur Schau stellen kann. Sie beweist Witz und Cleverness, selbst ihre paranoiden Zwischenkommentare (die trotz der großen Auftrittszeit von ihr recht dünn gesät sind) wirken knackiger und lustiger als sonst und hat gegen Ende mit der Raketenumpolung sogar einen guten Nutzen. Hoffentlich ist das nicht, wie bei Sonic, eine forcierte Charakteränderung, um besser in das ‚kluge Mädels, doofe Jungs‘ Schema zu passen, sondern wird bei zukünftigen Episoden beibehalten oder zumindest öfters genutzt – denn im Gegensatz zum blauen Stachelkopf steht der Dachsdame die Änderungen in dieser Geschichte wirklich exzellent. Ansonsten gibt es nichts groß zu bemängeln – da Knuckles und Amy eh gut in die üblichen Stereotypen solcher Episoden passen, wurde da nicht groß rumgetrickst, Eggman und Tails widerum tauchen kaum auf, letzterer ist aber trotz seiner wenigen Dialogzeilen wieder putzig anzusehen.

SonicFeuerHumortechnisch ist die Episode kein Überflieger, aber gut, teils sogar sehr gut. Wie bereits erwähnt hat Sticks einige gute Gags, auch Tails zu Beginn und Eggman am Ende haben trotz kurzer Zeit auf dem Bildschirm auch ein paar gute Zeilen parat. Durchgängige Gagquelle ist aber Knuckles, der viele kleinere Schmunzler und ein ein paar Lacher abliefert, ein paar tolle visuelle Gags gibt es auch noch. Großartige, laute Auflacher gibt es zwar nicht im Übermaß (Sonics Hosenkommentar ist echt gelungen), die meisten Gags bieten aber schöne Schmunzler – ziemlich guter Humor eben.

Die deutsche Version tut der Episode auch keinen Gefallen: Bei einem Gag am Anfang, bei dem Amy ein paar grausige Orte aufzählt, geht die Pointe für das deutschsprachige Publikum verloren, da ein Teil der Ortsnamen schlichtweg nicht übersetzt werden. An einer anderen Stelle sagt Sonic „Look what they got us doing!“ („Schau, zu was sie uns gebracht haben!“), woraufhin sich Knuckles wegen dem „Look“-Kommando tatsächlich umschaut – nur, dass Sonic im Deutschen „Das haben sie absichtlich gemacht“ sagt, und Knuckles‘ Sucherei deshalb kontextlos im Raum steht. Durch den hohen Fokus auf die beiden Mädels fällt bei der Episode natürlich auch wieder die unangenehme und unausgereifte neue Stimme von Amy und Sticks‘ wackelige Performance stark ins Gewicht, was den Spaß durchgehend schmälert. Schade, so einen zusätzlichen Dämpfer hat die Episode echt nicht gebraucht.


Fazit

FACEPALM„Into the Wilderness“ ist eine harte Nuss. Sie ist von der Umsetzung her recht in Ordnung und bietet einige gute Witze und die beste Charakterisierung von Sticks bisher, ist aber auch mit einem grausigen Klischeeplot durchsetzt, der im Gegenzug die Charakterisierung von Sonic gnadenlos in den Sand setzt. Ganz abschreiben möchte ich die Episode nicht, eben weil sie positive Seiten hat, aber überzeugt war ich nicht – wer Sticks mal in ner tollen Rolle sehen will und ein paar gute Gags sehen mag, kann mal reinschauen, und wer sich nicht an der Charakterisierung von Sonic stört sowieso, aber ne klare Empfehlung gibt es von mir auf jeden Fall nicht.


Nächste Folge:

„Eggman Unplugged“ heißt es nächste Woche – also auf jeden Fall Eggmanzentriert. ‚Unplugged‘ wird oft gebraucht, wenn eine Band eine Akustikvariante ihrer Lieder singt – erfüllt uns Eggi wohl mit seiner wundervollen Stimme?! Unwahrscheinlich, aber man darf hoffen!

Thigolf

Geschrieben von: Thigolf

Verliebte sich 2004 in die Reihe, als er im Elektrohandel die Flugfertigkeiten des zweigeschweiften Fuchses in Advance 3 ausprobieren durfte, bis er dann mit Rush Adventure komplett zum Fan wurde. Seit Anfang 2014 ist er als Redakteur bei Spindash dabei und kümmert sich nun primär um die Reviews der Boom-Serie, wo es ihm die Dachsdame Sticks und der leicht anders charakterisierte Tails besonders angetan hat.

7 Kommentare

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  1. blubb vor 2 Jahre | Antworten
    Ein Fazit sollte nicht dreimal so lang sein wie der Hauptext!
    • DEV
      DEV vor 2 Jahre | Antworten
      Das hier ist ein Review, keine Inhaltsangabe. Die eigenen Eindrücke und Meinungen des Redakteurs sollen im Vordergrund stehen, nicht das was in der Episode selbst passiert. Wenn es zu einer Folge mehr zu sagen und analysieren gibt, fällt das Fazit natürlich auch dementsprechend länger aus, wie in diesem Fall geschehen.
      • blubb vor 2 Jahre | Antworten
        Ich zitiere mal Wikipedia zum Thema "Fazit": Kurze und präzise Zusammenfassung der zentralen Aussagen und der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit. Ich will vielleicht gar nicht den ganzen Text lesen um nicht zu arg gespoilert zu werden. Deshalb macht bei dieser Art Bericht auch nur kurzes Fazit Sinn.
        • DEV
          DEV vor 2 Jahre | Antworten
          Wir könnten den ganzen Meinungs-Bereich des Reviews auch in verschiedene Unterpunkte (Charakterisierung, Humor, etc.) eingliedern und am Ende ein kurzes Fazit als Abschlussatz bringen, es würde allerdings nicht viel ändern und die ganze Sache nur in ein zu enges Muster zwängen. Die meist eher geringe Länge der Reviews rechtfertigt eine solche Unterteilung in meinen Augen nicht, und zusätzlich ist es auch ein wichtiger Punkt, als Redakteur frei schreiben zu können was einem gerade einfällt und worüber man reden möchte. Wenn du dich einfach nur für ein kurzes zusammenfassenden Satz interessierst, also ob die Episode zu empfehlen ist, findest du das meist im letzten Absatz vom Fazit vor. Spoiler lassen sich aber auch dort nicht vermeiden.
    • Thigolf
      Thigolf vor 2 Jahre | Antworten
      Hallo Blubb! Du hast Recht, was deine Definition von Fazit angeht. Der Name des Unterpunkts ist noch ein Überbleibsel von den Comicreviews, die in der Regel etwas kompakter sind und deshalb auch gut mit "Fazit" betitelt werden können. Nachdem ich mich mit DEV besprochen und ihm versichert habe, dass ich mich durch so eine kleine Änderung nicht eingeengt fühle, habe ich den Artikel etwas umstrukturiert. Nun ist das Fazit klar von der eigenen Rezension (die nun als solche betitelt wird) abgegliedert. Generell (auch in den vergangenen Serien Reviews, falls du diese noch nicht gelesen hast und Interesse daran haben solltest) findest du es, wie DEV bereits erwähnt hat, im letzten Absatz, der immer das bisher gesagte knapp zusammenfasst. In den kommenden Reviews wirst du das Fazit dann, wie auch hier in dem aktualisierten Review, gesondert vorfinden, damit du keine Angst vor Spoilern haben musst. Ich hoffe, die Änderungen helfen dir, wieder mehr Spaß am Lesen der Reviews zu finden :D Thigolf
  2. Andreas vor 8 Monate | Antworten
    Was mir hier insbesondere ein Dorn im Auge ist: Der Folgentitel hat - mal wieder - einen Rechtschreibfehler. Es heißt "Wildnis". Übersetzungsfehler sind ja noch einigermaßen nachvollziehbar, aber so offensichtliche Rechtschreibfehler, ausgerechnet im Folgentitel? Unbegreiflich.

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