Sonic Colours

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Sonic Colours (Wii) Review

Sonic kehrt auf die Nintendo Wii zurück – mit einem komplett neuen Abenteuer im Gepäck!

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Nach jahrelangen Tierversuchen an armen Igeln kündigte Sega 2010 die Rückkehr zum klassischen Sonicgameplay an. Sonic 4: Episode I wurde als 2D-Titel mit klassischen Gameplay für die älteren Fans beworben. Fast schon versteckt wurde kurz darauf jedoch auch ein 3D-Spiel angekündigt, dass vor allem die junge Generation begeistern sollte (was man von dieser Entscheidung hält sei dahingestellt). Sonic Colours sollte nach den ganzen Experimenten wieder zurück zu den klassischen Eigenschaften von Sonic kehren, die zwar in den vorherigen Spielen durchaus vorhanden aber durch teils fragwürdige Gameplayentscheidungen untergraben worden waren.

Die Story von Colours ist dementsprechend ebenfalls kurz, was nach den Auswüchsen von Sonic the Hedgehog (2006) durchaus erfrischend ist. Dr. Eggman verkündet Reue über seine bisherigen Missetaten zu verspüren und zur Wiedergutmachung einen interstellaren Freizeitpark zu bauen. Sonic und Tails trauen ihm dabei natürlich nicht und schleichen sich noch vor der Eröffnung in den Park. Sie finden bald heraus, dass Eggman die außerirdischen Wisps versklavt und Sonic macht sich erneut auf, den Tag zu retten.

Das Gameplay entspricht dabei größtenteils den Tag-Leveln von Sonic Unleashed, mit einem stärkeren Fokus auf die 2D-Passagen. Das heißt, dass kurze, meist eher pseudointeraktive, 3D-Abschnitte sich mit längeren Passagen in 2D, die klassisches Plattforming bieten, abwechseln. Den Unterschied machen die vielfältigen Wisps. Die neuen Fähigkeiten reichen vom simplen Boost, welcher jetzt durch weiße Wisps ermöglicht wird, bis zu kompletten Verwandlungen. Nach einsammeln des Wisps kann man auf Knopfdruck oder simples Schütteln Sonic in eine orangefarbene Rakete verwandeln und in ungeahnte Höhen schießen, als türkisenen Laserstrahl durch spezielle Kristalle oder Stromleitungen sausen oder mutiert zu einem gelben Drill, der sich durch den Boden oder Wasser fräst. Einige sind auch exklusiv für die Wii-Version wie etwa der pinke Wisp, der Sonic in eine dementsprechend farbige, stachelige Kugel verwandelt, die an Wänden feststeckt und sogar einen Spin Dash ausführen kann.

Neben dem eigentlichen Spiel gibt es auch einen Koop-Modus im sogenannten Sonic Simulator. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein virtueller Spieleautomat einschließlich entsprechender Artworks und Arcade-Sticks. So dient der Automat nur als Interface für die eigentlichen Level und sobald man startet wechselt es wieder zurück zum Vollbild. Insgesamt 21 zusätzliche Level gilt es hier zu schaffen, die man durch einsammeln der roten Münzen im Hauptspiel nach und nach freischaltet. Die Level bieten dabei Retro-Remixe der aus den Einselspieler-Leveln bekannten Musik und eine auf simple Polygongrafik getrimmte Optik, was dem Sonic Simulator eine ganz eigene Note verschafft. Zu zweit kann man auch besonders verstärkte Wispfähigkeiten anwenden. Manchmal geht dabei die Übersicht verloren, was den Spaß trübt. Die Level sind auch alleine spielbar. Wer es ganz nebenbei schafft alle roten Münzen einzusammeln schaltet auch was ganz besonderes frei. Sonic Colours unterstützt dabei alle bekannten Controller der Wii, von der Wiimote mit oder ohne Nunchuck, Classic Controller bis hin zum Gamecube-Controller.

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Bei der Präsentation von Colours gibt es kaum etwas zu meckern. Grafisch ist es eines der besten Spiele auf der Wii und bietet detailreiche Hintergründe, tolle Spezialeffekte, enorme Weitsicht und eine stets stabile Framerate. Die verschiedenen Planeten bieten dabei je einen ganz anderen Charm, vom zuckersüßen Sweet Mountain bis zum dunklen Asteroid Coaster. Der Sound ist sonictypisch ebenfalls gut. Gute Musik und Effekte bestimmen das Geschehen. Besonders auffallend sind dabei natürlich die neuen Stimmen von Sonic und Tails, an die man sich aber schnell gewöhnt. Die Zwischensequenzen bieten dabei eher durchwachsenen Humor, aber Sonics berühmte Attitüde ist nach jahrelanger Abwesenheit zurückgekehrt. Sehr viel lustiger sind schon die Durchsagen von Dr. Eggman, die im gesamten Freizeitpark zu hören sind und oft genug die Absurdität des gerade gespielten Levels betonen. Dennoch muss man sagen, dass das Leveldesign in seiner Qualität stark schwankt und ab und zu auch Trial and Error Passagen auftauchen. Die Länge der Level reicht dabei ebenfalls von 30 Sekunden bis hin zu 5 Minuten. Will man jedoch alle roten Ringe einsammeln, findet man immer wieder teils riesige Abschnitte in den eigentlich kurzen Leveln versteckt, die zum Entdecken einladen.

Das Menü erweist sich als sehr statisch. Ihr steuert von Menü zu Untermenü und wählt die gewünschte Welt und die dazugehörige Mission an. Missionen sind Levels, wo der Spieler bestimmte Aufgaben zu erfüllen hat, um die Geschichte weiterführen zu können. Manchmal ist auch eine bestimmte Mindestzahl an Missionen nötig, um eine neue Welt freischalten zu können. Neben den regulieren „Erreiche das Ziel“-Missionen gibt es auch diverse spezielle Aufgaben, wie die Zerstörung von Kisten, Ausweichen von Gegnern, Wettrennen und Finden diverser Verstecke. Es wird sehr viel geboten und man ist lange beschäftigt. Je nach Leistung wird man mit einen Gold-, Silber- oder Bronzeabzeichen bewertet. Positiv anzumerken wäre, dass man die Mission so oft wiederholen kann, bis die Mission aus bestimmten Gründen scheitert. Diverse Rücksetzpunkte setzen die Frustschwelle um einen Grad herunter. Eine Besonderheit des Spieles ist der RPG-Gehalt. Nach jeder abgeschlossenen Mission erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ab einer bestimmten Anzahl Sonic ein Level höher stufen. Pro Level erhält Sonic eine neue Fähigkeit, die Sonic schneller rennen, besser steuern oder auch schneller angreifen lassen. Falls ihr in dem Glauben seid, dass Sonic ewig so langsam bleiben wird, dann täuscht ihr euch. Dieses Sonic-Spiel ist in bestimmten Situationen 2-3x schneller als Sonic Adventure 2.

Der Multiplayer erweist sich flexibler als sein Vorgänger in Sonic Shuffle. Ähnlich wie in Nintendos Mario Party-Serie, spielt ihr mit bis zu drei Freunden auf einen Brett und kämpft um einen verborgenen Schatz, der sich in einen der vielen Truhen auf der Karte versteckt. Die Zugreihenfolge wird durch den Sieg im Mini-Spiel bestimmt. Sonic und die Geheimen Ringe wurde seitens Sega als erster lokalisierter Titelname der Sonic-Franchise vermarktet.
Der Umfang lässt jedoch trotzdem zu Wünschen übrig. Erfahrene Spieler sollten kein Problem damit haben, das Spiel innerhalb von 4 Stunden durchzuspielen. Der Wiederspielwert ist jedoch vorhanden, wenn man unbedingt alle roten Ringe haben will oder auch nur eines der spaßigen Levels schnell nochmal durchlaufen will. Ein Online-Leaderboard läd dazu ein Rekorden nachzujagen.

Sonic Colours ist insgesamt ein gutes Spiel und zeigt durchaus, dass das Sonic Team aus seinen Fehlern gelernt hat. Ohne unnötigen Ballast spielt es sich wie aus einem Guss und bietet viel Spaß. Ein konstanteres Leveldesign und vor allem eine längere Spielzeit wären jedoch sehr schön gewesen. Für einen Vollpreistitel ist Colours einfach zu kurz. Der Humor in den Zwischensequenzen könnte sich beim nächsten Mal vielleicht auch an ein etwas höheres Alter richten. Nichtsdestotrotz kann man es Fans der Reihe absolut empfehlen!

Fazit:

Sonic Colours ist endlich wieder ein solides 3D-Hauptspiel von Sonic, das ohne gescheiterte Experimente auskommt und kurzweilige, spaßige Action bietet. Die Wisps fügen sich problemlos ins Gameplay ein, einzig die zu kurze Spielzeit und das schwankende Leveldesign fallen negativ ins Gewicht.

Miles

Geschrieben von: Miles

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