Skies of Arcadia, Kapitel 6: Aus der neuen Welt

Was passiert? Die Helden machen sich über den South Ocean, den noch niemand überquert hat, auf den Weg zum neuen Kontinent Ixa’taka. Die Armada ist schon da.

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„I wonder how Vyse likes his food. Medium? Or perhaps… Well done!!!” – Admiral De Loco

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Wir haben den Mid Ocean, Vyses Heimat, lange hinter uns gelassen, sind in Valua eingebrochen und entkommen und haben in Nasr den roten Moon Crystal eingesammelt. Was jetzt? Die bislang bekannte Welt ist bekannt, wir haben sie erkundet, also brauchen wir eine neue! Auf nach Ixa’taka!

South Ocean: Der Weg in die neue Welt
Der einzige Weg nach Ixa’taka, das neue Land unter dem grünen Mond, ist über den südlichen Ozean („South Ocean“). Eine unbewohnte, sturmgepeitschte Region mit gefährlichen Wirbelstürmen und einem starken Westwind, gegen den es nahezu unmöglich ist anzukommen. Dank dem Motor, den wir im vorigen Kapitel Belleza abgenommen haben, kommt die Little Jack voran, aber langsam, ganz langsam gegen den Westwind, und alle paar Sekunden setzen Zufallskämpfe ein. Die Reise ist zeitaufwändig – bei unserem Streamdurchgang kostete uns allein dieser Abschnitt etwa 20 Minuten! – und kostet die Helden einiges an Magiepunkten und Heilgegenständen – sie ist nicht unbedingt schwer, aber langwierig und anstrengend, einer der unangenehmsten Abschnitte des Spiels.
So wenig Spaß der Abschnitt auch machen mag: das ist absolut deckungsgleich mit dem, was die Geschichte uns hier vermitteln will. Wir kreuzen gegen alle Widerstände, gegen den Sturmwind, auf der Suche nach einem neuen Kontinent. Mit der Suche nach einem neuen Kontinent versetzt uns Skies of Arcadia in die Rolle von niemand geringerem als Christoph Kolumbus, dem bekanntesten Erkunder der Welt überhaupt, der sich im Jahr 1492 von den Kanarischen Inseln aus nach Westen aufmachte, um einen Seeweg nach Indien zu finden, und statt dessen über einen Kontinent stolperte, den wir heute als Amerika kennen. Kolumbus‘ Reise dauerte über fünf Wochen und führte schließlich zu den Inseln, die heute als die Bahamas bekannt sind. Mit drei Holzschiffen und Verpflegung, die auch im Jahr 1492 noch über Monate haltbar sein musste – überwiegend Pökelfleisch und eingelegtes Sauerkraut, dazu Wasserreserven an Bord. War sicher eine spaßige Reise, oder? Heute legen wir die Strecke in sieben Stunden im Flugzeug zurück, oder über mehrere Tage an Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffs, aber Kolumbus musste über Wochen hinweg auf einer Reise ins Unbekannte die Elemente bezwingen.
Skies of Arcadia lässt uns hier, auf diesem Abschnitt, die Reise nachempfinden. Die Anstrengungen, die Entbehrungen, die Frage, wie lange das noch so weitergeht, was uns am Ende der Reise erwartet, ob wir überhaupt irgendetwas finden – und die grenzenlose Erleichterung und der Jubel, wenn Aika die ersten Blätter im Wind entdeckt und wir klar lernen, dass wir Ixa’taka, unser Ziel, erreicht haben.
(Kolumbus war dieses Gefühl des Triumphs und der Erleichterung übrigens so wichtig, dass er bis zu seinem Tod behauptete, er hätte tatsächlich einen neuen Seeweg nach Indien und China gefunden. So konnte er seine Expeditionen als uneingeschränkt erfolgreich betrachten.)

Horteka
Wir fahren ein bisschen über Ixa’taka hin und her und entdecken ganz schnell ein paar herausstechende Bäume im dichten Wald auf einer etwas über dem Rest des Kontinents schwebenden Insel – eine geschickte Kombination visueller Hinweise, dass hier etwas ist – und landen gleich in der Siedlung Horteka, in der wir die ersten Ixa’takaner treffen.
Wie in Valua und Nasr bedient sich Skies of Arcadia hier heftig bei bekannten Klischees – in diesem Fall bei verschiedenen Ureinwohner-Kulturen. Die Krieger tragen Masken und Kriegsbemalung, die Frauen, Kinder und Alten bunte Gewänder und einfachen Schmuck. Die Ixa’takaner nutzen Waffen nur zur Jagd, weil ihr Land unter dem grünen Mond ihnen mehr als genug von allem gibt, was sie zum Leben brauchen. Sie führen keinen Krieg untereinander. Sie werden von der valuanischen Armada, die tatsächlich schon hier ist, unterdrückt und als Sklaven in die Minen verschleppt. Sie hielten die Valuaner, die ersten Neuankömmlinge aus dem Osten, für Repräsentanten ihres Gottes Quetya, bevor sie von ihnen angegriffen wurden, und haben denselben Gedanken für Fina.
Dass sie die Valuaner für Götter oder göttliche Repräsentanten hielten, greift eine Legende im Zusammenhang mit der spanischen Eroberung von Mittel- und Südamerika auf, namentlich dass die einheimischen Völker die Spanier dafür hielten. Es ist nicht mehr als eine Legende, aber Skies of Arcadia greift diese Legende auf. In dem Zusammenhang ist aber nicht klar, warum sie Fina auch für eine göttliche Repräsentantin halten – Spoiler: noch nicht, das kommt noch.
Und sonst? Sind die Ixa’takaner Karikaturen von hilflosen Ureinwohnern, die der Macht der technologisch überlegenen Invasoren mit Weltherrschaftsambitionen ausgeliefert sind? Spoiler: Nein. Warum? Darauf werde ich in den nächsten Kapiteln noch ausführlich eingehen. Wie in den anderen Reichen nutzt Skies of Arcadia diese Klischees als Kurzfassung zur Einführung des Landes und seiner Kultur, aber gerade in Ixa’taka werden wir zum ersten Mal herausfinden, wie viel tatsächlich hinter dieser Maske verborgen ist. (Das ist auch gut so, denn wenn wir ehrlich sind, schrammt Skies of Arcadia hier haarscharf an rassistischen Klischees rund um die weißen Retter der Ureinwohner, die sich selbst nicht zu helfen wissen und von den Weißen gerettet werden müssen, vorbei, und das auch nur wegen ein paar der späteren Ereignisse. Das werde ich zu gegebener Zeit noch ausführlicher betrachten.) „Es wäre gut, wenn ihr schnell wieder verschwindet“ ist jedenfalls kein freundlicher Ratschlag.

Der Widerstand der Ixa’takaner
Die Ixa’takaner halten Vyse und seine Freunde nach ihren Erfahrungen mit den Valuanern erst einmal auf Abstand. Die Einwohner von Horteka reden nicht mit der Heldengruppe, die Kinder sollen sich von ihnen fernhalten, die Händler in den Läden verkaufen ihnen nichts. Die ehemals vertrauensseligen Ixa’takaner sind wütend. Der Waffenhändler baut zum ersten Mal Waffen zum Einsatz gegen andere Menschen statt zur Jagd. Sie planen, weiterzukämpfen, soviel ist klar, auch wenn die erste Schlacht verloren ging, viele ihrer Landsleute als Sklaven in die Mine entführt wurden und der König sich verstecken muss. Sie warten auf eine Gelegenheit.
Und dann kommen Vyse und seine Freunde ins Dorf und bieten ihre Hilfe an. Vyse beschwört den Dorfältesten inbrünstig, ihre Hilfe anzunehmen, und schließlich akzeptiert er die Hilfe. Aber macht euch nichts vor: Die Begründung „Your eyes are pure. I can see you are telling the truth“ ist eine Lüge, oder wenigstens nicht die ganze Wahrheit.
Woran mache ich das fest? Das wird sich in den kommenden Episoden noch deutlicher zeigen. Aktuell reicht die Beobachtung, dass der Dorfälteste Vyse eine grobe Beschreibung gibt, wo er den König finden kann, und zufälligerweise ist auch die Armada in der Richtung aktiv. Das ist nicht nur ein Hinweis an Vyse, wie er ihnen helfen kann, das ist auch ein Test, wie er mit der Armada umgeht.

Die Armada in Ixa’taka
Die Armada ist also tatsächlich schon in Ixa’taka. Mit welchem Ziel? Nun, sie wollen natürlich, wie sich später heraus stellt, den grünen Moon Crystal (bei den Ixa’takanern als „Sacred Moon Stone“ bekannt und in der Obhut der Königsfamilie) haben. Andererseits gibt es einen heiligen Berg der Ixa’takaner, wo es viele Moon Stones gibt und den die Valuaner längst angefangen haben auszubeuten. Eine große Mine voll mit wertvollen Ressourcen, die die Invasoren haben wollen und daher exzessiv ausbeuten – schönen Gruß an den Cerro Rico de Potosi, den reichen Berg von Potosi im heutigen Bolivien, über Jahrhunderte hinweg die ertragreichste Silbermine der Welt und eine Einnahmequelle von großer Bedeutung für das spanische Weltreich. Tonnenweise Moon Stones für die Valuaner!
Und letztens kann sich die Armada hier richtig austoben. Admiral De Loco ist in Ixa’taka und testet nebenbei nach Herzenslust neue Waffen.

Admiral De Loco
Der Chef der valuanischen Waffenentwicklung hat sich gerade einen großen Flammenwerfer an sein Schiff gebaut und testet ihn ausgiebig, indem er ganze Landstriche von Wald niederbrennt. Mit großem Enthusiasmus sprüht er das Feuer ziellos ins Land, angeblich in der Hoffnung, die verlorene Stadt von Rixis zu finden – aber seien wir ehrlich: er lebt seine Pyromanie und Zerstörungswut aus. Anders als die kühle, kalkulierte, berechnende Belleza, die Krieg hasst und ihn abschaffen will, damit niemand mehr so leiden muss wie sie, hat De Loco Spaß an feuriger Zerstörung und fantasiert darüber, was er Vyse so alles antun wird. Ein manischer Wahnsinniger, ein verrückter Wissenschaftler in der reinsten Form. Die Verkörperung der Armada in Ixa’taka, sinnlose Zerstörung zur eigenen Befriedigung und für den eigenen Gewinn.
Die Beschreibung, die der Dorfälteste von Ixa’taka Vyse gegeben hat, führt ihn unmittelbar in Kontakt mit De Loco, und damit zwingend zu einem Schiffskampf, weil De Loco den Piraten, der aus der Grand Fortress entkommen ist, natürlich nicht einfach so davonkommen lassen kann. (Und weil er Spaß daran hat, das Schiff aus der Luft zu brennen.) In Sichtweite des Ortes, an dem sich der König von Ixa’taka aktuell versteckt hält, zieht Vyse aktiv gegen die Armada ins Gefecht, schlägt den örtlichen Anführer der Armada in die Flucht und rettet einige Quadratkilometer Wald vor dem feurigen Tod.
Es ist fast so, als hätten die Ixa’takaner einen Test für Vyse und seine Freunde entworfen, um zu sehen, wie sie mit den verräterischen Mördern und Sklaventreibern aus Valua umgehen – und in dem Fall besteht Vyse den Test mit Bravour. Er zeigt sich als Feind der Armada, sogar so weit, dass der örtliche Chef der Armada ihn unprovoziert angreift, als starker und fähiger Kämpfer, indem er den Kampf gewinnt, als Verbündeter mit einem gemeinsamen Feind und als Beschützer des Waldes, ihrer Heimat.
Für De Loco bricht mit seiner Niederlage gegen Vyse eine Welt zusammen, und seinem Vizekapitän bleibt nichts weiter als den Rückzug zu befehlen, während die Helden zur Belohnung den König von Ixa’taka treffen können.

König Ixa‘taka
Der König von Ixa’taka zeigt sich als überraschend junger Mann, vielleicht in den Dreißigern, der sich dafür entschuldigt, dass er Vyse und seinen Freunden derzeit nicht mehr bieten kann als seinen förmlichen Dank. Er ist – natürlich – äußerst unzufrieden mit seiner aktuellen Situation, wie ganz Ixa’taka, versucht den Helden aber zumindest weiterzuhelfen. Auch wenn er nach seiner eigenen Aussage den grünen Moon Crystal nicht besitzt, teilt er sein Wissen mit den Helden – er könnte sich in Rixis befinden, einer verlorenen Stadt, angeblich mit Straßen aus Gold, und Fina bestätigt, dass die alte Hauptstadt der grünen Zivilisation so hieß.
Rixis greift hier eine weitere Legende aus der Zeit der spanischen Eroberung von Amerika auf – El Dorado, die Stadt aus Gold, die sich irgendwo in Südamerika verbergen sollte. Die Legende war ein Hauptantrieb für den Goldrausch der Eroberer, aber letztendlich eine Enttäuschung, denn El Dorado wurde nie gefunden. Weil es El Dorado nicht gab. Eine Erfindung, ein Hirngespinst, mehr war El Dorado nicht.
Ist Rixis auch so ein Hirngespinst? Zumindest weiß auch der König nicht, wo es liegt. Der Hohepriester Isapa könnte es wissen, der wurde aber leider von den Valuanern entführt und wird in den Minen gefangen gehalten. Die Enscheidung, wie die Helden damit umgehen sollen, wird zwar dem Spieler überlassen, aber „In die Mine einbrechen und Isapa befreien“ ist sowohl die moralisch korrekte als auch die logische Option – wie sollen die Piraten sonst eine verlorene Stadt finden, wenn sie einen ganzen, von Dschungel dicht überwucherten Kontinent absuchen müssen? – und daher sehr naheliegend.
Und so beschließen Vyse und seine Freunde, in die Minen einzubrechen und den Hohepriester zu befreien. Das machen wir nächste Woche!

Kleine Beobachtungen:
– Comic Relief mit Aika, der nächste Teil! Sie hofft auf riesengroße Früchte, die man sich so richtig einverleiben kann! Vyse wirft ein, dass es dann wahrscheinlich auch entsprechend große Monster gibt – und, neu: Fina macht mit! Ihr „Wenn Aika richtig hungrig ist, wird sie die Monster gleich mit essen“ zeigt eine ganz neue Seite an ihr. Zum ersten Mal macht die schüchterne Fina bei einem Witz in der Gruppe so richtig mit!

– Zu den in Horteka gestrandeten Blue Rogues sagt uns das Spiel überraschend wenig. „Vom Kurs abgekommen durch einen Hurricane“ – aber wo waren sie unterwegs und wie sind sie hierhin gekommen? Sind sie von Norden über Valua hergekommen? Nicht ganz klar und im Endeffekt auch egal. Sie helfen befreundeten Blue Rogues in Not mit Treibstoff aus, und Captain Centime ist ebenfalls ein Gefangener in den Minen – ein weiterer Grund, dort einzubrechen und die Gefangenen herauszuholen!
– Quetya kam und rettete die Ixa’takaner vor dem Riesen. Was könnte der Riese wohl sein?
– In Horteka hören die Helden, dass der König den Sacred Moon Stone besitzt. Der König selbst sagt, dass er ihn nicht hat. Ist das ein Missverständnis? (Spoiler: *hust*)
– Der Artikel heute fällt relativ kurz aus, weil sich in dieser Episode und den nächsten beiden einige sehr zeitaufwändige Abschnitte verbergen, in denen storytechnisch gar nicht viel passiert – hier zum Beispiel die Überquerung von South Ocean und der Besuch in Horteka, und nächste Woche werden wir mit den Minen einsteigen, die auch sehr lange dauern. Kein Vergleich mit dem Besuch in Valua. Das tut mir Leid, ist aber nicht zu ändern. Die längeren Artikel kommen früh genug wieder. 😉

Musikstück des Tages: „Kingdom of Ixa’taka“. Eine fröhliche Flötenmelodie, untermalt von einem einprägsamen Trommelrhythmus und mit Geräuschen von feiernden Menschen und Dschungeltieren. Ein schönes Stück für ein glücklicheres Ixa’taka als das, was wir zunächst antreffen – oder gibt es da etwas, das wir nicht sehen?

Nächste Woche: In die Mine

Geschrieben von: Tikal

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